Astrologie und Spiritualität

Astrologie und Spiritualität

In der heutigen Astrologie- Szene gibt es fast ebenso viele Auffassungen von Astrologie, wie Astrologen. Jeder hat sein System, seine Philosophie, seine Erfahrungen. Man kann jedoch vier grosse Strömungen unterscheiden. Da gibt es erst einmal die "Zuckerwürfel und Zeitschriften" Astrologie, die in Wahrheit keine Astrologie ist, da sie die tatsächlichen, persönlichen Konstellationen ausser Acht lässt und wir sie deshalb nicht wirklich dazu zählen dürfen.

Die am längsten und am weitesten verbreitete Astrologie ist die Zukunftsvorhersage. Schon immer wollte der Mensch wissen, was auf ihn zukommt, schon immer suchte er nach Sicherheit. Doch diese Form der Sternen-Deutung hat so ihre Tücken. All zu oft vermischt der Astrologe seine eigenen Ängste mit den objektiven Konstellationen und diese werden zu einer Projektionsfläche. Oder er nimmt (vielleicht ungewollt) dem Klienten den Entwicklungsweg, da dieser nun sein Schicksal er-wartet, bzw. aussitzt. Auch das Prinzip des self- fullfilling- desteney birgt erhebliche Gefahren in sich.

Nicht, dass Vorhersagen nicht möglich wären, doch die Vorstellungskraft des Menschen ist zu begrenzt, als dass er frei genug wäre wirklich hinzuschauen. Gut, dass die alten Orakel in Rätseln gesprochen haben, da musste der Betroffene eine Eigenleistung hinzufügen und sich den Wahrheitsgehalt des Gesagten erarbeiten. Dann gibt es die –ich nenne sie so- „Nacharbeitungsastrologie“. Irgendwo auf der Welt geschieht etwas und der Astrologe untersucht gewissenhaft die an dem Tag gewesenen Konstellationen und macht dazu die Horoskope der Zeitqualität und aller Beteiligten. So weiss man viel über die Politiker, über die Inhalte von Politik und Weltgeschehen. Man lernt äussere Zusammenhänge zu verstehen und begreift so einiges von den Planetenkonstellationen, doch leider nichts über sich selbst.

Ganz im Gegenteil dazu beschäftigt sich die weit verbreitete Psychologische Astrologie (von manchen auch Seelenastrologie genannt) ausschliesslich mit dem eigenen Dasein. Wer bin ich, was sind meine Schwachpunkte, meine Talente? Wo bin ich durch gewisse Planeten (Saturn z.B.) blockiert und welche „guten“ Konstellationen „retten“ mich. Diese Deutungsweise geht davon aus, dass das Horoskop ein Abbild des Menschen ist und eine genaue Analyse seiner Selbst ihm ebenso weiter hilft, wie eine Analyse der Zeitqualität um ihn auf seine anstehenden Aufgaben vorzubereiten. Beratungen dieser Art können sehr hilfreich sein, es sei denn sie bleiben in der Analyse stecken und verhelfen dem Klienten geradezu neue Projektionsflächen zu manifestieren. Wenn als Ergebnis einer Beratung nun nicht mehr die Eltern oder wer auch immer Schuld an seiner Misere sind ,sondern jetzt Mond, Neptun oder Pluto, dann ist das, was eigentlich das Ziel dieser Arbeit sein sollte verfehlt. Es hat den Menschen nicht verantwortungsvoller und mutiger gemacht, sondern im „Kind“ festgehalten. Das allerdings liegt nicht an der Methode, sondern alleine am Astrologen und seinem eigenen Weltbild. Auch wie sehr und auf welche Weise ein Berater Zukunftsvorhersagen (z.B. im Sinne einer Vorbereitung auf Kommendes) in seine Arbeit mit einbezieht liegt viel an seiner Persönlichkeit und seiner eigenen Weltsicht.

Die Astrologie, die sich „Esoterische Astrologie“ nennt, mag in der heutigen Zeit Probleme mit dem Begriff „Esoterik“ haben, doch inhaltlich macht sie etwas sehr Gutes. Sie sieht das Horoskop ebenfalls als ein Abbild des Menschen, doch sie geht noch weiter. Hier ist ganz klar, dass die Planeten nichts tun. Sie beeinflussen nicht, sie machen auch nicht „geneigt“, wie man früher sagte., sie sind nichts anderes als ein grosser, grosser Spiegel, der Gesetzmässigkeiten aufzeigt. Wie im Himmel, so auf Erden, Mikrokosmos gleich Makrokosmos. Esoterik kommt vom griechischen Wort „Esotericos“ und heisst der Innere Kreis. Das heisst, die Richtung, in die der „esoterische“ Astrologe schaut ist das Innen, nicht die Welt da draussen. Ich schaue also nach draussen um mein Inneres zu begreifen. Soweit ist dieser Ansatz mit der psychologischen Sichtweise verwandt. Doch die Erforschung des (kleinen) Ichs umfasst jetzt auch das Grosse- Ganze, als wäre es eins: Der Mensch und die Welt sind eins, so der Tiltel eines Buches von Rüdiger Dahlke. Das Aufzeigen übergeordneter Gesetzmässikeiten „unter denen der Mensch angetreten ist“ wie es so schön heisst, übergibt dem Menschen die gesamte Verantwortung für sein Dasein mit allen Konsequenzen. Das Horoskop, sein vom Himmel „abgemaltes“ Spiegelbild beschreibt nicht nur ihn und seine Eigenschaften, sondern sein gesamtes Sein. Seine Eltern, sein Schicksal (inhaltlich), seine Herkunft und das, was ihm ENTGEGEN kommt aus der sichtbaren Welt. ALLES hat einen Zusammenhang mit ihm, mit seiner Existenz. Seine Konstellationen beschreiben Inhalte, nicht Formen, sie sind letztlich nur eine Brücke zum Verständnis. Sie sind nichts Eigenständiges, was er zu fürchten hätte, denn mit Leben, mit Fleisch und Blut kann nur er selbst sie füllen. Konstellationen sind inhaltliche Abbilder, Archetypen, Symbole, die vom Astrologen lediglich übersetzt werden. Mit einem „Ja“ gewinnt die Existenz eines Menschen an Kraft, mit einem „Nein“ entzieht er sich selbst Energie. Somit kann die Aufgabe eines Beraters nur darin liegen dieses „Ja“ zu fördern. Ein „Ja“ zum eigenen (und damit auch zu anderen) Wesen, zum Schicksal, so wie es eben ist, ist die Voraussetzung daran zu arbeiten, sich zu entwickeln. Wird der Mensch in Schuldzuweisungen und Projektionen unterstützt und hält die Welt für die Ursache seines „Ungemachs“, so hat er wenig Möglichkeiten etwas zu ändern und zum Guten zu bringen. Mit dem Blick auf sich selbst, erfährt er wie viele Ressourcen und Kraftquellen er in sich trägt. Eine dieser heilbringenden Quellen ist die höhere Ordnung, das Göttliche in uns. Im Horoskop werden diese Grössen ebenfalls durch Planeten dargestellt. Sie gehören ebenso zu uns, wie das Ego und das innere Kind. Bei keiner Beratung darf dieser übergeordnete Teil fehlen. Es würde den Menschen eines wichtigen Teiles seiner Selbst berauben, würde man diesen ausser Acht lassen. Das Horoskop spiegelt eine ganze Welt, die sichtbare und die unsichtbare, die subjektive und die objektive. Die Astrologie ist ausserhalb von gut und böse, sie ist konfessionslos, sie bietet dem, der möchte eine umfassende Sichtweise der Welt. Sie spiegelt den Entwicklungs-Weg des Menschen von der Geburt bis zum Tod. Die Astrologie kann also alles sein, was der Mensch aus ihr macht. Sie kann seiner Angst dienen, sie kann Lebenshilfe sein und sie kann natürlich auch zu einem Hilfsmittel, einem Wanderstab auf dem spirituellen Weg werden.